Kochen im falschen Jahrhundert


Theresa Präauers Roman handelt von einem Abendessen mit Freund*innen. Die Gastgeberin hat zu sich nachhause eingeladen, ihr Partner, der Schweizer und ein Ehepaar sind zu Gast.
Es gibt französische Quiche und dazu einen Sommersalat. Flasche um Flasche wird der Crémant geleert, dabei diskutieren die Fünf über Flüchtlingskrise, Klimawandel, Vivenne Westwood und greenwashing. Im Hintergrund läuft Jazz und die Gastgeberin feiert ihren neuen dänischen Esstisch.

Zwei verschiedene Aspekte haben mich an dem Buch besonders fasziniert :

1.) Drei verschiedene Möglichkeiten, wie der Abend beginnt, werden beschrieben, in welcher Konstellation die Gäste eintreffen und zu welcher Uhrzeit. Wie sich das Tischgespräch entwickelt und was die Gastgeberin, denkt, fühlt und tut. Mich hat das an Luhmanns Kontingenzbegriff in der Soziologie erinnert, immer könnte alles auch anders gewesen sein.
Ein bißchen kam es mir vor, wie eine soziometrische Untersuchung, als hätte Präauer die sozialen Strukturen in der Gruppe, in diesem Quintett untersucht.
Dass alle fünf Figuren im Text keinen Namen tragen, sondern mit ihrer sozialen Rolle betitelt sind (okay außer dem „Schweizer“) und so eine gewisse Distanz zu ihnen bleibt, weist ebenso darauf hin.

Und 2.)
Die Autorin kritisiert mit ihrem Text den Lifestyle der Bohéme. Er wird ironisierend auf die Spitze getrieben, in
einer Szene, als „die Ehefrau“ ein Foto von allen Anwesenden (inklusive Esstisch und Discounter-Crémant) macht, einen Filter mit Baskenmütze und Zwirbelbärtchen wählt und es auf Insta unter dem Hashtag best friends forever, foodporn und winelovers postet. Die „Sucht“ zur digitalen Selbstinszenierung😂 hat Teresa Präauer wunderbar getroffen und so wird dieser Abend „unter Freund*innen“ ein satirischer, manchmal bitterböser Lesegenuß mit einem zwinkernden Auge.
Amüsant, sehr amüsant!

Leser*innen dieses Buches: Habt ihr eigentlich die Mixgetränke zum dazugehörigen Kapitel getrunken😅?