
Stefan Mosters neuer Roman „Bin das noch ich“ handelt von Simon, einem Berufsgeiger, der durch die Corona Pandemie zu einer großen Auftrittspause gezwungen war.
Umso mehr freut er sich nun über die
zu spielenden Konzerte auf einem Kammermusikfestival in Finnland.
Doch der Albtraum des leidenschaftlichen Musikers wird wahr, denn bei einem Solokonzert versagen die Finger der linken Hand. Weiterzuspielen ist unmöglich. Schmerzen und ein Zusammenbruch folgen. Seine Kollegin Mai hilft ihm aus dieser Situation und beherbergt ihn in einer kleinen Familienhütte auf einer Miniinsel, die im finnischen Schärenmeer liegt. Allein, ganz auf sich gestellt, beginnt Simons Selbstfindung, die sich um die Frage dreht:
Was aber bin ich, wenn ich nicht spielen kann und üben darf? (S. 102)
In Harmonie mit Möwen und Meer lernt er sich anzunehmen und aus den 7 Tagen, die er bleiben wollte, werden viele Wochen …
Moster schreibt in einer sehr differenzierten, elaborierten Sprache und so präzise, dass ich mich beim Lesen mitten in der Schärenlandschaft wähnte. Den Geräuschen der Natur, des Windes, der Wellen, insbesondere der Vogelgesänge stellt er die klassische Musik von Bach, Bartók und Dvorak gegenüber und lässt seinen Protagonisten dabei über die existenzielle Frage nach der eigenen Identität philosophieren. Der Autor führt uns nah an Simons Schmerz – nicht mehr musizieren zu können – heran. Der leidvolle Schockzustand, die langsame Verarbeitung, all das liegt offen vor den Lesenden.
Es ist also eher ein Introversionsspektakel als eine Robinsonade😊.
Leseempfehlung für Fans klassischer Musik und umfangreicher Natur- und Vogelbeschreibungen.
Im August im wunderbaren Mare Verlag erschienen.
