Das Summen unter der Haut


Stephan Lohses Roman „Das Summen unter der Haut“ handelt von Julle, einem 14 jährigen Teenager, der sich in seinen neuen Mitschüler Axel verliebt. Sie erleben genau 31 Tage zusammen, bis Axel verschwindet. Aber in diesem Monat lernt Julle mehr über Gefühle und sich selbst, als je zuvor.
Empathisch erzählt Lohse von Julles erster Liebe und seiner Angst, dass Menschen seine Homosexualität herausfinden, sogar dem Hund eines Freundes traut er zu, sie zu „riechen“. Er übt im Flur seines Hauses das „korrekte“ Gehen, damit niemand Verdacht schöpft. Die Geschichte spielt im Sommer ’77 in Hamburg und ist für mich doch kein Sommerroman im klassischen Sinnen, sondern vielmehr die differenzierte Darstellung der Beziehung, die sich im Laufe dieser wenigen Wochen zwischen Julle und Axel entspinnt. Besonders steht auch Julles Entwicklung, sein Outing und seine Selbstwerdung im Vordergrund.
Ich fand es sehr beeindruckend, wie einfühlsarm Lohse seine Hauptfiguren behandelt, fast zärtlich und sehr lebendig – ohne Kitsch und Klischee. Der Sprachstil des Autors ist dabei an den Coming-of-age Roman angepasst, aber nicht umgangssprachlich. Von der Sprache hat er mich an Bov Bjergs Auerhaus erinnert, den Roman habe ich auch ähnlich einfühlsarm in Erinnerung (die Handlung ist eine andere).

Sehr sweet auch das Maik Klingenberg Zitat auf der ersten Seite, als Reminiszenz an Herrndorfs Tschick.

Große Leseempfehlung (im Sommer wie im Winter)!