A wie Ada


„Gut behütet“

„Ada hat es sich gut eingerichtet auf ihrer Insel. Gut behütet und beschirmt schläft sie unter ihrer Palme, merkt nicht, dass die Gefahr vorüber ist. Die Kinder, die sie hauen könnten, sind weg. Und auch alle anderen, die gefährlich sind. Die Sonne scheint mild, es gibt nichts, wovor sie sich fürchten muss, nur das, wovor sich alle fürchten müssen (S.105)“.

Die Hauptfigur in Dilek Güngörs neuem Roman „A wie Ada“ hat viele Facetten.
In kurzen Kapiteln oder besser Episoden werden Szenen ihrer Kindheit und Jugend beschrieben, z.B. wie sie sich daran gewöhnt hat, alleine im Kinderzimmer zu warten, während die Freundin Abendbrot isst. Oder wie sie der Freundin zur Übernachtung nicht den neuen Schlafanzug leihen wollte. Es kommen Szenen aus dem Studium dazu, die Party des Professors, auf der sie schweigend am Rand steht und den Kommilitonen zuhört, um nicht zu stören.
Kurze Kapitel handeln von ihrer eigenen Familie und wie sie es empfindet Kinder zu haben.
All diese kleinen Mosaiksteine aus dem Leben der Hauptfigur Ada setzen sich zu einem großem Bild zusammen, dass eine Frau zeigt, die mit Alltagsrassismus zu kämpfen und einen eigenen Kopf hat, die sich durchsetzen kann, aber auch ängstlich ist und aus Trotz schweigt, die sich den Menschen nähern möchte, sie aber doch auch wegstößt. Es geht um Selbstwerdung, Weiblichkeit, Erziehung – um nichts weniger als Fragmente eines Lebens.

Wie schon in „Vater und ich“ hat mich Dilek Güngör mit ihrem Text sehr begeistert. Ihre Sprache ist dabei schlicht und unaufgeregt, aber doch poetisch.
Die Idee, diese Alltagsminiaturen nicht einem linearen Handlungsstrang zu unterwerfen, erscheint mir äußerst klug, denn auch im richtigen Leben lernen wir
Menschen „episodenhaft“ kennen. Langsam, durch erzählte Geschichten und gemeinsame Erlebnisse, erschließt sich ein Bild seiner Biografie.

Große Leseempfehlung! Wem „Vater und ich“ gefallen hat, der wird auch dieses Buch lieben.