
Vor ungefähr einem Jahr habe ich den damals erschienen Roman „In einer dunkelblauen Stunde“ von Peter Stamm gelesen. Er handelt von den zwei DokumenfilmerInnen Andrea und Thomas, die einen Film über den Schriftsteller Richard Wechsler drehen. Als Wechsler eines Tages nicht mehr zu den verabredeten Filmaufnahmen erscheint, forscht Andrea in seiner Vergangenheit und findet seine alte Jugendliebe Judith, die Pfarrerin im Dorf ist und kontaktiert sie …
Über dieses Buch nun hat Peter Stamm eine Poetikvorlesung geschrieben, er lässt uns teilhaben daran, wie dieser Roman entstanden ist. Wie er neue Ideen zum Schreiben findet, sich die Charaktere entwickelt haben und dass der erste geschriebene Satz auch wirklich der erste im Buch ist. Selten steht am Anfang die Geschichte, sondern meist eine Ausgangssituation, um die herum Stamm Figuren, Handlungsorte, Motive und Namen sucht. Stamm präsentiert seine Notizen, die er sich vor und während des Romanschreibens gemacht hat und auch eine Liste der Bücher, die er währenddessen las (Ein kleiner Stich ins Herzen, dass es ausschließlich männliche Autoren sind, siehe Foto unten).
Sehr interessant fand ich auch seine Diskussion über das Thema der Autofiktionalität und Stamms Behauptung, Leser*innen würden im Text eh nach Parallellen zum Leben des Autors forschen. Er stimmt dabei Julia Schoch zu, die in der „Volltext“ Zeitschrift schreibt, dass es so etwas wie eine »universelle Subjektivität« gibt. Stamm bestätigt, dass in seinen Büchern viel von ihm verborgen ist, nicht unbedingt in den Charakteren, sondern eher in der allgemeine Weltsicht, in der Art, wie er eine Person, eine Landschaft, eine Handlung beschreibt.
„Meine Texte sind ganz unabhängig von ihrem Inhalt Ausdruck meiner Persönlichkeit (S. 23).“
Leseempfehlung für Peter Stamm Fans und Menschen, die sich für das Schreiben und die dazugehörigen Prozesse interessieren.

