Anselm Kiefers „Bilderstreit“


Im Museum Voorlinden in Wassenaar, Niederlande ist gerade eine Ausstellung von Anselm Kiefer zu sehen. Knausgårds Buch „Der Wald und der Fluss“ hat mich auf diesen Künstler gebracht, vorher habe ich es immer vermieden, seine Bilder anzusehen. Das Dunkle, Ernste und die Abwesenheit von Farbe haben mich erschreckt, aber nun, meine Komfortzone verlassend, sah ich in der Ausstellung „Bilderstreit“ seine riesigen Bleigemälde und raumeinnehmenden Großinstallationen.

Beeindruckend fand ich seine Goldbilder mit den Sicheln (1, 2), die in Motiv und Komposition sehr an Van Goghs „Weizenfeld mit Raben“ erinnern.

Die Rezeption der Deutschen Geschichte, z.B. im Raum „Der Morgenthau Plan“ (3),  biblische Bezüge zu Samson, symbolische Landschaften und poetische Rätsel, z.B. Gedichtzitate von Paul Celan (4) lassen Kiefers Werk so geheimnisvoll und mysteriös wirken.

„Die Winterreise“ (5, 6) ist eine riesige, in die Tiefe reichende Raumkonstruktion einer Winterwaldlandschaft, in Schwarz, Weiß und Blei und mit den Namen von Dichtern, Philosophen und Schriftstellern der Romantik versehen. Im Vordergrund steht ein mit bleiüberzogenes Bett auf dem ein bleiernes Maschinegewehr liegt. Am Fuße des Bettes halb unter der Decke steht der Name der RAF Terroristin Ulrike Meinhof.
Mit dieser Installation möchte Kiefer aufzeigen, dass Romantizismus zu Gewalt oder sogar Terrorismus führen kann.

Dass Kiefer Blei für seine Arbeiten benutzt, z.B. im „Bücherturm“ (7) und den Bildern für Paul Celan (8,9) finde ich immer noch verstörend. Blei als hochgiftiges Schwermetall, das der Korrosion ausgesetzt ist und das ein stumpfes Grau trägt, hat so etwas Düsteres für mich, dass es mir schwerfällt, mich freiwillig zu nähern.
Für Kiefers Konzept des nie vollendeten Kunstwerks und seinem Thema ‚Zeit‘ als fortlaufende Entwicklung scheint es das perfekte Material, sorgt es doch dafür, dass Veränderung und Verfall in seine Werke eingebaut werden.

Sehempfehlung! Die Ausstellung läuft noch bis 24.2.24.