
Baumgartner von Paul Auster ist der zweite Roman, den wir in unserem Buchclub am Sand zusammengelesen haben.
Er handelt von dem emeritierten Philisophie Professor Seymour T. Baumgartner, der in Princeton lebt und den Tod seiner vor zehn Jahren verunglückten und über alles geliebten Ehefrau Anna verkraften muss. Ihr Tod hat so ein tiefes Loch in sein Herz gebrannt, dass sein Leben ihm vorkommt wie in einem unterirdischen, fensterlosen Raum.
Anna, die Übersetzerin und Lyrikerin war, hat viele Gedichte und Texte hinterlassen und bald interessiert sich die Studentin Bebe Coen für ihre Werke, so dass auch Baumgartner sich erneut mit Annas Werk auseinandersetzen kann und neue Hoffnung schöpft …
Der Roman ist, das möchte ich gleich sagen, eher handlungsarm, es sind Rückblicke, Erinnerungen an Baumgartners Eltern, die beginnende Liebesgeschichte mit Anna,
Reflexionen über sein Leben und Träume, die hier eine große Rolle spielen.
Ebenso wie die Hauptfigur Baumgartner ein Existenzphilosoph und Phänomenologe ist, hat auch Auster meiner Meinung nach eine phänomenologische Vorgehensweise gewählt: Die Erhellung des menschlichen Daseins. Zustände, Erscheinungen und Stadien Baumgartners Existenz stehen im Mittelpunkt.
Und wie die Phänomenologie in der Philosophie eine deskriptive Methode ist, so geht auch Auster eher beschreibend vor, ohne Emotionen oder fantastische Elemente.
Überhaupt scheint der Roman viele autobiographische Bezüge zu haben, Baumgartners Eltern sind jüdische Emigrant*innen (Austers Eltern auch) und die lange besondere Ehe in tiefer Verbundenheit scheint Auster mit seiner Frau Siri Hustvedt so gelebt zu haben. Die vielen New York und Frankreich Bezüge kommen ebenfalls aus seinem „echten“ Leben.
Immer wieder tauchen auch kleine Spiegelungen auf. So schreibt Anna im Buch lieber auf Schreibmaschine und Baumgartner auf dem Computer, laut eines Interviews war es beim Ehepaar Auster/Hustvedt genau anders herum.
Ein bißchen Melancholie schwang beim Lesen mit, im Bewusstsein, dass das Austers letztes Buch bleiben wird.
Empfehlung für Leser*innen, die ruhige Texte mögen, mit vielen Reflektionen, philosophisch angehaucht und ohne heftige Action.
