Das Herz wirft in der Brust keinen Schatten


Auf Noemi Somalvicos neu erschienen Erzählband war ich sehr gespannt, denn ihr Debütroman „Ist hier das Jenseits, fragt Schwein“ fand ich überaus originell und lustig.
Die gleichen Adjektive möchte ich auch für ihre Kurzgeschichten benutzen und noch um „spannend“ und „kurzweilig“ ergänzen. Alle 13 Texte haben sofort einen Lesesog entwickelt. Aber worum geht es:

Die märchenhafte oder fast traumähnliche Geschichte „In einer Dose wohnen“ handelt von einer Ich-Erzählerin, die ziellos und traurig durch den Wald irrt, bis sie von einer Frau aufgegabelt wird, die fern ab der Stadt in einem Häuschen wohnt und am nächsten Morgen verschwunden ist, um der Ich-Erzählerin ihr angefangenes Leben und das zweihundert Jahre alte Haus zu überlassen.
Eine andere, kindliche Protagonistin verliebt sich einen Kalziumnagelfleck lang in Toni Carbone, doch als die Mutter seine Fingernägel schneidet, verschwindet die Magie.
Meine liebste Geschichte ist die einer Autorin, die das schreiben aufgibt und sich einen Brotjob als medizinische Protokollantin sucht. Eine Chirurgin streut in ihre Diktate lyrische Sätze ein, die die Ich-Erzählerin schließlich wieder zur Literatur zurückbringen. Die Einstreuung der medizinischen Fachbegriffe hat mir dabei richtig Spaß gebracht. Wundervoll!

Die Hauptfiguren überzeugen durch Vielschichtigkeit und Tiefe. Sie wirken lebendig und authentisch. Weder Plakatives, noch Kitsch oder Klischee kommen auf, obwohl die meisten Geschichten von Liebe in all ihren Facetten handeln.

Ein sehr sehr großes Lesevergnügen!