
Sehr gespannt war ich auf mein Patenbuch für den Hotlistpreis 2025 und nun darf ich es endlich vorstellen:
Mara Genschels Midlife-Prosa. Performative Erzählungen aus dem Engeler Verlag.
Nachgeschlagen:
Performative Erzählungen sind Geschichten, die durch die Handlung des Erzählens selbst eine bestimmte Wirkung erzeugen und nicht nur Informationen vermitteln. Sie sind nicht nur reine Wiedergaben von Ereignissen, sondern schaffen durch die Art und Weise, wie sie präsentiert werden, auch soziale Realitäten, verändern Wahrnehmungen und involvieren das Publikum.
Gleich beim zweiten Text gibt es auch einen QR-Code am Anfang des Textes, der zu einer multimedialen Poesie-Performance der Künstlerin führt: Incident Ocurres by Incoherent Accident von Sound Poetry Compilation.
Genschels Erzählungen handeln vom Autorinnensein, vom Alltag in der Lebensmitte, beziehungsweise dem Alterungsprozess und von all den Widrigkeiten, die das Schreiben mit sich bringt. Zum Beispiel eine Deadline zu haben, die so viel innerlichen Druck aufbaut, dass jegliche Kreativität versiegt. In Genschels erster Erzählung entspinnt sich ein Gespräch zwischen dem Text, der hier der Ich-Erzähler ist (was für eine gelungene Idee!), der Autorin des Textes und dem (gedanklich zu Besuch gekommenen) anusköpfigen Johannes, der die Autorin unter Druck setzt und gefügig macht, wie es Deadlines vielleicht manchmal tun.
Die Erzählung „Hallo tiefer Fisch“ handelt von Martha, die mit Cognac im Kopf die Idee hat, aus dem Wort Frischhaltefolie verschiedene Anagramme zu basteln, die wiederum von ihrem Alterungsprozess handeln, z.B.
„AH!
ICH REIFE SOFT, LOL.
SCHREI:
O FALTE, HILF!“
Beim Lesen der Erzählungen merkt man schnell: Mara Genschel ist wortvirtuos! Spielerisch und originell werden die skurrilsten Ideen zu Texten. Ich meine ihre Freude am Formulieren zu spüren. Dabei bleibt sie stets selbstironisch, satirisch auch gegenüber dem Literaturbetrieb! Eine „performative Selbstkritik“ nennt der Engeler Verlag das Buch. Ich finde es höchst amüsant.
Leseempfehlung für Menschen, die selbst schreiben und Lektüre abseits des sprachlichen Mainstreams mögen.
